Initiativen, Vereine und Geschichtswerkstätten in Niedersachsen

Initiativen, Vereine und Geschichtswerkstätten in Niedersachsen

Die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen wird durch eine Vielzahl von Initiativen, Projekten, Geschichtswerkstätten und Einzelpersonen getragen, die aus bürgerschaftlichem Engagement handeln. Gemeinsam mit den Gedenkstätten bilden sie das Rückgrat der „Erinnerungslandschaft Niedersachsen“. Ein Gründungsimpuls war oft die Suche nach Antworten auf Fragen, die in der lokalen Öffentlichkeit über Jahrzehnte hinweg tabuisiert waren und verschwiegen wurden. 

Alternative Stadtrundgänge, Ausstellungen, Zeitzeugengespräche, Schreibwerkstätten, Publikationen und Dokumentensammlungen sind nur einige Beispiele für ihre vielfältigen Aktivitäten. Mittlerweile sind regionale Erinnerungsnetzwerke entstanden, zum Beispiel das „Netzwerk Topografie der Erinnerung - Gedenken und Erinnern in Südniedersachsen“ oder das „Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover e.V.“. 

Die Gedenkstätten in freier Trägerschaft sowie Geschichtsinitiativen haben sich im Jahr 2000 zur „Interessengemeinschaft niedersächsischer Gedenkstätten und Initiativen zur Erinnerung an die NS-Verbrechen“ zusammengeschlossen.

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Hannover: Verein zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen e.V. (VEHN) und Schwullesbisches Archiv Hannover (SARCH). Kontakt: r.hoffschildt@htp-tel.de
Hannover: Erinnerungsbußgang Bergen-Belsen Wenige Tage vor der Befreiung wurden im April 1945 etwa 4 500 Konzentrationslagerhäftlinge aus der Stadt Hannover zum KZ Bergen-Belsen getrieben. Auf dem zweitägigen Todesmarsch wurden viele von ihnen ermordet. Zum Andenken an ihr Schicksal wird seit 1981 ein Erinnerungs-Bußgang auf der Strecke vom ehemaligen Außenlager Hannover-Mühlenberg des KZ Neuengamme bis zur Gedenkstätte Bergen-Belsen durchgeführt. Der Bußgang wurde seinerzeit von Pfarrer Albrecht Przyrembel ins Leben gerufen und findet jährlich am Wochenende des Palmsonntags statt. Die Gestaltung orientiert sich an den vor-österlichen Kreuzwegen und bietet die Gelegenheit, in Gesprächen das Schicksal der Häftlinge zu reflektieren. Unterwegs findet in Burgwedel an der Scheune der Pestalozzi-Stiftung eine Zusammenkunft und Gedenken mit der örtlichen Bürgerinitiative statt. Nähere Auskünfte und Kontakt: Wolfgang Schwenzer, Spielhagenstr.13, 30171 Hannover, Tel.: +49 (0) 511 – 88 03 11, Mobil: 0179-9804353, schwenzerwolf@t-online.de
Hannover: Verein zur Förderung des Wissens über jüdische Geschichte und Kultur e.V. Der im Jahr 1995 gegründete Verein tritt ein für eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur der Juden – am Beispiel der jüdischen Lokalgeschichte Hannovers. Arbeitsschwerpunkte sind die Aufklärung des Schicksals der hannoverschen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus und die Information über Geschichte und Bedeutung jüdischer Friedhöfe. Die vom Verein betreute Ausstellung „Mit Davidsschild und Menora. Bilder jüdischer Grabstätten“ ist seit 1995 wiederholt in Hannover sowie in Celle, Peine, Braunschweig, Gröbzig, Hornburg, Salzgitter, Uelzen, Osnabrück, Schöningen und Bernburg gezeigt worden, zuletzt 2016 in Burgdorf, wobei die örtlichen Träger bei der Erarbeitung lokaler Beiträge zur Ausstellung unterstützt worden sind. In Hannover bieten Mitglieder des Vereins Führungen über die jüdischen Friedhöfe an; dies geschieht in Absprache mit der Jüdischen Gemeinde. Seit 2000 beteiligen sie sich am jährlichen „Tag des offenen Denkmals“ und machen die „Alte Predigthalle“ auf dem jüdischen Friedhof An der Strangriede für die Öffentlichkeit zugänglich, ein Angebot, das seither von mehreren tausend interessierten Besuchern wahrgenommen wurde. Mit Unterstützung des Vereins sind folgende Publikationen erschienen: Peter Schulze, Namen und Schicksale der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Hannover (1995), ders., Beiträge zur Geschichte der Juden in Hannover (= Hannoversche Studien, Band 6), (1998) Regionale Gewerkschaftsblätter, hrsg. vom DGB, Region SüdOstNiedersachsen, Braunschweig, Heft 18, Sonderheft: Mit Davidsschild und Menora. Bilder jüdischer Grabstätten in Braunschweig, Peine, Hornburg, Salzgitter und Schöningen. Ausstellungen 1997 – 2002, (2003). Kontakt: Postanschrift: Rolf Müller, Eisenacher Weg 38, 30179 Hannover und Mail: peter-schulze-hannover@t-online.de

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Unterlüß: Peter Heine Themenschwerpunkt der ehrenamtlichen Arbeit von Herrn Heine ist die Geschichte seiner Heimatgemeinde in den Jahren 1939 – 1950. In Unterlüß befanden sich innerhalb dieses Zeitraumes insgesamt 21 Lager mit etwa 5 000 Frauen, Männern und Kindern, darunter ein „Arbeitserziehungslager“ der Gestapo, ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen, Kriegsgefangenenlager und ein Lager für Säuglinge und Kleinkinder deren Mütter Zwangsarbeit bei der Rheinmetall-Borsig AG leisten mussten. Kurz nach dem Krieg entstand ein Lager für Displaced Persons. Die Recherchen umfassen sowohl die Dokumentation der Lagergeschichten als auch die Ermittlung der biographischen Daten der Opfer. Kontakt: Peter Heine, Gartenstr. 3a, 29345 Unterlüß, Tel. und Fax: +49 (0) 5827 – 972 12 07, heine-peter@t-online.de
Uslar-Volpriehausen: Kali-Bergbaumuseum Volpriehausen