
Tagung "Grabstätten von NS-Opfern als Gedenk- und Lernorte", Wolfenbüttel, 27.-29. August 2009. Foto Jan von der Heyde. Dokumentationsstelle/GFN (SnG)
Orte des Gedenkens
In Niedersachsen gibt es ein dichtes Netz aktiver Gedenkstätten und Initiativen zur Erinnerung an die NS-Verbrechen. Ihre Entstehungsgeschichte spiegelt den wechselhaften Umgang der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus und seine Opfer wider. Über Jahrzehnte hinweg blieb es bei offiziellen und symbolischen Akten des Gedenkens und der Trauer, zu denen sich politische und kirchliche Repräsentanten und Abordnungen der Opferverbände alljährlich an zentralen Denkmalen versammelten – z. B. an der Inschriftenwand der früh gegründeten Gedenkstätte Bergen-Belsen. Aber diese Erinnerungszeichen am historischen Ort blieben stumm, denn es fehlte an Forschung, Dokumentation und Bildungsarbeit.
In den 1970er Jahren entwickelte sich eine Geschichtsbewegung „von unten“. Sie begann, kritisch und meist gegen lokalen Widerstand, die Regionalgeschichte des Nationalsozialismus zu erforschen. Mit Gedenkorten in der Region und der Dokumentation der Regionalgeschichte wurde die Totalität des Terrors deutlich gemacht: Die Tatsache, dass die Verbrechen in der unmittelbaren Nachbarschaft begangen worden waren, war somit nicht mehr wegzudiskutieren. In den Blick gerieten nun auch bisher kaum beachtete Opfergruppen wie Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Deserteure, Kriegsgefangene und zivile ZwangsarbeiterInnen.
Viele der heute etablierten niedersächsischen Gedenkstätten entstanden aus diesem bürgerschaftlichen Engagement heraus, und die zahlreichen Initiativen, Vereine und Geschichtswerkstätten haben weiterhin einen maßgeblichen Anteil an der lebendigen Erinnerungskultur in Niedersachsen.
